Drehbank Kreissig-GUB

Uhrmacherdrehbank Kreissig-GUB

Diese Drehbank war bis zur Wende 1989 im Betriebsteil F1/2 des VEB Glashütter Uhrenbetriebe im Einsatz. Dieser Betriebsteil an der heutigen Dresdner Straße wurde ebenso wie die Uhrenteilefertigung F2 komplett abgerissen, er stand auf der Freifläche vor dem heutigen Edeka-Markt. In dem durch viele Anbauten zerklüfteten Gebäude war die Gerätefertigung der GUB untergebracht, unterteilt in Teilefertigung und Montage. Die Gerätefertigung umfaßte die Herstellung von Zeitschaltuhren, Band- und Trommelschreibern und technischen Laufwerken. Die Maschine stand in der Gerätemontage, auf ihr wurden wahrscheinlich vormontierte Teile nachgearbeitet. Eine Spannvorrichtung , in der man einen komplett montierten Schwinganker eines Kurzzeitlaufwerkes zur Bearbeitung des Zapfens aufnehmen konnte, ist erhalten geblieben.

GUB Kreissig Maschine. Foto: © Jens Schneider

Die Maschine ähnelt stark den Glashütter Drehbänken von Ernst Kreissig und Emil Thalheim, deren Konstruktion auf Moritz Grossmann zurückgeht. Jedoch ist sie nicht mit der typischen ovalen Kreissig- Punzierung gezeichnet, auch ist der Aufbau des Spindelstockes und die Spieleinstellung der Spindel abweichend. Der Spindel fehlt auch das bei Kreissig fast immer vorhandene Außengewinde zur Aufnahme eines Spannfutters. Ich vermute, daß die Maschine nach dem zweiten Weltkrieg unter Verwendung von Rest- und Ausschußteilen im Werkzeugbau hergestellt wurde, nachdem die meisten intakten Maschinen in die damalige Sowjetunion abtransportiert worden waren. Der Hebelsupport hat Aufnahmen und Aussparungen für Kurbelspindeln. Sein Querbett hat viele zum Teil ausgefüllte Gußlunker und wäre in dem Zustand bei Kreissig nicht verbaut worden. Der Bohrreitstock wurde horizontal durchtrennt und hart gelötet, gehörte also sicher zuvor zu einer anderen Maschine mit größerer Spitzenhöhe. Der Spindelstock hat nicht die elegante Form originaler Kreissig-Maschinen und ist mit M5 punziert. Die Riemenscheibe trägt verschiedene Teilungsbohrungen für spezielle Teilungen, die zum Teil wieder mit Messing verschlossen wurden.

Detail: GUB Kreissig Lunker. Foto: © Jens Schneider

Die dreieckige Wange und die Spannzangen mit den typischen langen Schäften stammen sicher von Kreissig. Schön gefertigt ist das hölzerne Handrad des Spannzangenschlüssels, welches mit drei Schrauben befestigt ist. Der Schlüssel hat außerdem eine seitliche Klemmschraube für einen Tiefenanschlag.


Detail: GUB Kreissig Ankerzange. Foto: © Jens Schneider